MR 200 Endstufen-Suizid

Moderator: haribert

Pollux
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MR 200 Endstufen-Suizid

Beitrag von Pollux » Mo 21. Mai 2018, 14:25

Der Leidensweg mit diesem Gerät ist jetzt schon etwas länger, daher einmal chronologisch:

Den MR habe ich mit Endstufenschaden bekommen, die Kanalseite weiß ich leider mittlerweile nicht mehr. Die hatten Kurzschluß zwischen Kollektor und Emitter, die Sicherung war natürlich auch durch.

Daher alle Endstufentransistoren mit BDW 93C / BDW 94C ersetzt, ebenso alle Elkos (inkl. Tantals) und einige Lötstellen nachgelötet. Danach lebte das Ding wieder, wenn auch ohne Tuner-Teil (da kam einfach nichts). Ich habe ihn etwa 10 Minuten spielen lassen (Endstufen-Transistoren wenn überhaupt lauwarm) und dann ausgemacht, um den Ruhestrom einzustellen. Beim Ausschalten hat er allerdings recht laut in den Lautsprechern geploppt. Obwohl ich schon gelesen hatte, daß das bei den MR wohl normal ist, wollte ich das nochmal ausprobieren und habe ihn erneut eingeschaltet, dann kam nur noch für ca. 3 Sekunden ein lautes Brummen in den Lautsprechern und die Sicherung ist durchgebrannt.

Tollerweise ist dabei das Darlington-Pärchen des rechten Kanals verreckt. Das habe ich dann erstmal auf die noch nicht durchgeführte Ruhestromeinstellung geschoben. Nachdem neue Transistoren drin waren und ich den Ruhestrom einstellen wollte, zeigte mein Multimeter 0 mA an, daher einfach nochmal mit Lautsprechern angeschlossen und das Ding lief. Sicherung im Multimeter getauscht, war durch. Da müssen also mehr als 500mA geflossen sein. Mit und ohne eingeschleifte 60W Glühlampe in der Zuleitung betrug der Ruhestrom bei erneuter Messung seltsamerweise nur etwa 15mA pro Seite, also beide auf ca. 50mA hochgedreht und so ein paar Minuten stehen lassen, die Werte blieben stabil.

Der MR lief dann etwa einen halben Tag nebenbei mit, bei normaler Zimmerlautstärke kaum Wäremeentwicklung an den Endstufen-Transistoren. Der stumme Tuner-Teil ließ mir allerdings keine Ruhe, auf der doppelseitigen HF/ZF-Platte waren dann noch etliche unterbrochene Stellen auf der Oberseite durch Risse im Platinenmaterial. Nachdem ich die alle geflickt hatte lief auch der Tuner mit.

Heute wollte ich (weil ich dem Ding mittlerweile nicht mehr so recht über den Weg traute) nochmal sehen, ob er nach wie vor einwandfrei spielt, beim Einschalten lautes Knacken in den Lautsprechern, ein kleines Rauchwölkchen, ausgelöste Sicherung. Kotz. Optischer Befund: T743 (BC 558B) im linken Kanal ist im wahrsten Sinne des Wortes abgeraucht, die Darlingtons des linken Kanals sind auch verstorben (Schluß Kollektor / Emitter).

Jetzt weiß ich nicht so recht, wie ich weiter eingrenzen soll, warum das Teil so gerne seine Endstufe tötet, und das immer nur beim Einschalten. Der öfter im Internet erwähnte Lastwiderstand R814 ist unauffällig und auch die Platine nicht verfärbt, optische Auffälligkeiten sind auch sonst keine vorhanden. Die Glimmerscheiben der Transistoren habe ich nicht gewechselt, nach der Montage jeweils immer auf Schluß zwischen Masse und Kühlfahne gemessen, war immer ok. Wer Tips hat, immer raus damit. Der MR200 ist mein erster Mini, die V2000 und V5000 sind längst nicht so problematisch und fummelig, vielleicht sollte ich eher bei denen bleiben ;-)

Gruß Daniel

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mampfi
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Re: MR 200 Endstufen-Suizid

Beitrag von mampfi » Mo 21. Mai 2018, 17:39

Das ist jetzt etwas schwierig aus dem Stehgreif in Deine Odysee einzusteigen.

Oberflächlich betrachtet würde ich sagen, das riecht nach Schwingneigung.
Ich hatte mal ne Uher UMA 2000 Endstufe. Da war es dasselbe. Endstufe funktionierte und irgenwann beim Einschalten........bumm.
Repariert und wieder ....bumm.

Die Lage bei Deinem MR200 ist aber bestimmt ungleich besser als bei diesem Korea Uher. Der landete nämlich auf dem Elektronik Friedhof.
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Re: MR 200 Endstufen-Suizid

Beitrag von timundstruppi » Di 22. Mai 2018, 00:43

Vielleicht war es auch der BC, der den Ruhestrom nicht kleinhalten konnte.

Schaue mir das im SP mal an ? SM hast du?

Eine Ich messe mit dem Ohmmeter ist eher eine "Sicher defekt", aber nicht "Sicher heil" Methode, da die Prüfspannung zu gering ist. Zeigt es keine Verbindung an, so kann es doch bei Betriebsspannung durchschlagen.

Gruß TW

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Re: MR 200 Endstufen-Suizid

Beitrag von Pollux » Di 22. Mai 2018, 12:45

Danke erstmal für die Antworten.

@mampfi: Nein, auf den Schrott geht der nicht. Ich bin zwar im Moment etwas böse auf ihn, aber das legt sich, wenn der Ehrgeiz wieder durch kommt. Außerdem stecken ca. 50 € Teile und mittlerweile schon wieder viel zu viele Stunden in dem kleinen Kasten.

Ich habe noch mal akribisch alle Bauteile angesehen und hatte gehofft, vielleicht noch das eine oder andere optisch beschädigte Bauteil zu finden, aber leider ist bis auf T743 zumindest optisch nichts beschädigt.

Bezüglich der eventuellen Schwingneigung: Gehe ich recht in der Annahme, daß ich ein Schwingen der Endstufe nur mit einem Oszi sichtbar bekomme ? Wenn die Endstufe schwingt und beim Einschalten schon die Endtransistoren sterben, liegt das an den zu hohen Strömen, die dann fließen, ist das richtig ?

@timundstruppi: Ich habe zumindest den Schaltplan und den Bestückungsplan, die komplette Service-Anleitung habe ich für so ziemlich keins der Geräte. Wer auch immer die Unterlagen eingescannt hat, hatte wohl nicht alle Seiten oder hat sie weggelassen. Gerade die interessanten Teile (Abgleichvorschriften etc.) sind so gut wie nie dabei.

Bezüglich der Messung mit dem Ohmmeter: Meinst Du damit das Messen des Widerstands zwischen Kühlfahne und Kühlkörper ? Wenn ja, kann man das mit normalem Equipment besser hinkriegen ? Ich mußte leider die Montagebohrungen der Transistoren etwas vergrößern, damit die Kunststoffhülsen da rein passen. Ich habe aber recht pingelig darauf geachtet, daß da keine Grate stehen bleiben, die sich dann durch die Glimmerscheibe durchdrücken könnten.

Vielleicht sind auch meine Transistoren ungeeignet ? Verbaut habe ich BDW93C/BDW94C von Fairchild. Digi-Key hatte keinen anderen Hersteller vorrätig und Elkos mit kleiner Kapazität und hoher Spannungsfestigkeit sind bei Reichelt schlecht zu bekommen, deswegen hatte ich da bestellt. In meinem V5000 werkeln welche von ST, im V2000 von Inchange, die laufen bis heute problemlos. Da ich jetzt sowieso neue Transistoren bestellen muß und wohl nicht auf die 50€ Grenze von Digikey komme, kann ich jetzt auch einen anderen Hersteller nehmen, wenn das angezeigt sein sollte.

Die 3300µF Elkos, die ich verbaut habe, sind diese hier:

https://www.digikey.de/product-detail/d ... ND/2786989

Wohl speziell für Audioanwendungen, das habe ich aber erst beim Auspacken gesehen, ich bin nach 105° Typ und möglichst großer Betriebsstundenzahl gegangen, könnten die was mit dem Problem zu tun haben ?

Sorry nebenbei für soviel Text, man merkt glaube ich, daß ich mich über das Thema Grundig mit sonst niemandem unterhalten kann ;-)

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Re: MR 200 Endstufen-Suizid

Beitrag von timundstruppi » Di 22. Mai 2018, 22:10

SM habe ich. Emailaddresse per PN schicken. Bin aber unterwegs...

Ist es nötig die aufzubohren? Beim V/A5000 ist nur eine längere M3 ohne Isoliernippel an der Schraube nötig, da die Bohrung in Kunststoff ist. Kann beim MR anders sein...

Die Isolation ist wirklich schwer zu messen. Nur den Kurzen kannst du sicher bestimmen.

Gruß TW

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Re: MR 200 Endstufen-Suizid

Beitrag von Pollux » Mi 23. Mai 2018, 08:28

Die Kühlfahne bei den BDW93/94 ist aus Vollmetall, so waren die originalen auch ausgeführt, die Bohrung war im Durchmesser etwa einen halben Millimeter zu klein, die Kunststoffhülsen hätten definitiv nicht durchgepaßt. Beim V5000 habe ich durch Transistoren von ST ersetzt, die hatten in der Kühlfahne bereits eine Hülse aus Kunststoff eingepreßt. PM ist raus.

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Re: MR 200 Endstufen-Suizid

Beitrag von timundstruppi » Mi 23. Mai 2018, 19:22

Die sind ja auch eine Nummer kleiner... :cry:
TO3P zu TO220
T0P3??
hmm...

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Re: MR 200 Endstufen-Suizid

Beitrag von Pollux » Mi 23. Mai 2018, 23:28

Wer weiß, vielleicht schlechte Toleranzen ? Habe jedenfalls das gleiche Package verbaut, lt. Datenblatt von Fairchild soll das Montageloch 3.6mm haben. Den Hersteller der Original-Transistoren kenne ich nicht, das Logo habe ich noch nie gesehen. Da sie aber ein Datecode von 1980 haben, werden sie wohl die Erstbestückung sein.

Ich werde wohl erstmal neue Transistoren bestellen, wahrscheinlich von ST. Vielleicht verhalten die sich ja etwas anders.

Was mir noch eingefallen ist: Die Endstufe hat ja immer beim Einschalten die Hufe hochgerissen. Während ich den Ruhestrom eingestellt habe, hab ich das Ding mehrfach ein- und wieder ausgeschaltet, um ohne Risiko die Prüfklemmen wechseln zu können, bestimmt fünf oder sechs mal. Da er das überlebt hat, tritt eventuell der Defekt nur mit angeschlossenen Lautsprechern auf ? Den Lautstärkeregler hatte ich beim Ein- und Ausschalten immer auf Minium, das habe ich mir bei den Grundigs so angewöhnt.

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Re: MR 200 Endstufen-Suizid

Beitrag von Pollux » Mi 30. Mai 2018, 22:59

Eine Auffälligkeit noch: Das Gegenstück zum abgekokelten T743 (BC 558B) im anderen Kanal, T642, ist auf meiner Platine ein BC 307B. Die Lötstellen von beiden Transistoren sehen original aus, der T743 ist jedenfalls zumindest von einem anderen Hersteller gewesen, der (nicht mehr lesbare) Aufdruck ist auf der Oberseite, bei T642 auf der Seite.

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Re: MR 200 Endstufen-Suizid

Beitrag von mampfi » Do 31. Mai 2018, 06:54

Und sonst? Bist Du schon weiter gekommen?
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