grundig SV2000 - ein Reparaturbericht

Alles überden SV2000 hier rein

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mampfi
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grundig SV2000 - ein Reparaturbericht

Beitrag von mampfi » Sa 14. Jul 2018, 13:51

Grundig SV2000 - ein Reparaturbericht

Neulich fischte ich einen sehr günstigen, gut erhaltenen aber defekten Grundig SV2000 aus der Bucht.
Beim ersten Betrachten fielen sofort 3 durchgebrannte Widerstände in der linken Endstufe auf.
Ein erster Start mit Regeltrenntrafo, bei abgehängter linker Endstufe, bestätigte dann auch den alleinigen Defekt dieser Endstufe. Alles andere funktionierte erst mal.
Also linke Endstufe ausgebaut und die verkohlten Widerstände entfernt. Es waren R415, R417 und R425 betroffen. Außerdem waren Leiterbahnen mit Glasfaserstift freigekratzt worden. Der R425 wurde durch eine Reihenschaltung von R’s ersetzt, bei der ebenfalls ein R durchgebrannt war. Die weiteren Messungen brachten dann noch die defekten Transistoren T404, T405 beide Motorola Typen MPS-A05 zu Tage. Beide T’s stehen in Zusammenhang mit den durchgebrannten R’s. und waren deshalb „erwartungsgemäß“ defekt. Zu meiner Überraschung war aber auch T401 ein BC 560 defekt. Weitere defekte Bauteile waren erst mal nicht auszumessen. Dazu aber später mehr.
Ganz offensichtlich gab es ein Problem mit hohen Strömen, also vermutlich einem Kurzschluß, der wohl auch an den entsprechend freigekratzten Lötstellen vermutet wurde. (Photo entstand nach der Platinenreinigung)
20180710_173250-2.jpg
Nach dem Ersetzen der defekten Teile, wobei die Motorola Typen durch BC 639 ersetzt wurden (PIN Belegung beachten), fuhr ich den SV also wieder mit dem Trenntrafo hoch.
20180710_221051-2.jpg
Jedoch war bereits bei 45V eine Stromaufnahme von ca. 300mA zu beobachten, was einer Aufnahmeleistung von ca. 15Watt entspricht.
Das abgreifen der neu eingesetzten Teile, brachte keine Auffälligkeiten zu Tage. Nach einer gewissen Zeit, nahm ich am Kühlblech der linken Endstufe, Wärmeentwicklung war.
Der Motorola GP 140 wurde warm. Der 145er blieb kalt. Also den 140er ausgebaut und vermessen. Doch zu meiner Überraschung zeigte der China Bauteile Tester, wie bei der ersten Messung, genau die gleichen Werte wie bei einem neuen, guten Exemplar an.
Mhm………… da staunte ich nicht schlecht……
20180710_174304-2.jpg
Also beide Endstufen T’s durch BDW 83 und 84 ersetzt und den Verstärker erneut hochgefahren.
Jetzt war alles im Fluss und der Ruhestrom konnte problemlos auf 30mV eingestellt werden. Die Stromaufnahme betrug bei 230V, 0,07A, also rund 16Watt. Alle ersetzten Teile zeigten keinerlei Wärmeentwicklung im Idle Betrieb -----> so muß das sein.
Nachdem der eigentliche Fehler, der defekte GP140 gefunden war ersetzte ich noch alle C’s auf der Endstufenplatine. Durch das Austrocknen, hatten diese die 2 - 3 fache Nennkapazität bei hohem Innenwiderstand angenommen. Außerdem erhielten die BC 639er noch sicherheitshalber jeweils ein TO92 Kühlblech und das Ruhestrompoti wurde durch ein neues, gekapseltes, ersetzt.
20180710_172130-2.jpg
In der Zwischenzeit stand fest, der SV darf/muß bleiben. Deshalb wurde die rechte Endstufe auf den gleichen Stand wie die linke gebracht und das kpl. Gerät erfuhr noch ein „Recapping“. Im ganzen Gerät befinden sich übrigens nur 2 Tantals und die sind im Phonoverstärker.

Nachdem alles fertig war, lief er erstmal einige Stunden im Wiedergabebetrieb. Weitere Kontrollen der Bauteile und des Ruhestroms folgten, bis ich ihn dann noch durchgemessen habe. Man will ja wissen was da rauskommt.
Satte 15,6V an 4Ohm, bei 0,05% Klirrfaktor, also fast 61 Watt Sinus pro Kanal (anstatt der angegebenen 50Watt). Das ist mal ne richtige Hausnummer. Der Frequenzgang fällt erst bei unter 8Hz und über 48KHz allmählich ab.
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Resümee: (bei dem mir aber leider ein paar Mutmaßungen nicht erspart bleiben)
Seltsam ist die vermeintliche Gutmeldung des China Testers bei dem GP140 Transistor. Vielleicht kann dieser Tester einfach Darlington Transistoren nicht korrekt vermessen?
Die Qualität der Lötstellen und das testen mit anderen Widerständen jedenfalls, lassen schon eine gewisse Qualität und „Know how“ des letzten „Reparierers“ erkennen. Wenn dieser mit einem ähnlichen Tester die T’s als gut gemessen hat (so wie ich erstmal) und keinen Regeltrafo besaß, wäre schon erklärt warum er versuchte den Fehler durch andere R’S auszumerzen aber schluß endlich an ständig durchgebrannten R’s und T’s scheiterte.
Der SV2000 jedenfalls ist genial aufgebaut, wie man es bei Grundigs dieser Zeit gewohnt ist. Die Endstufen sind einfach und ohne großes Plimborium aufgebaut, aber dennoch von hoher Qualität.

Jetzt, nachdem er vollständig überholt ist, wird er irgendwo ein schönes Dauerplätzchen bekommen.

Hier noch ein paar Bilder:
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Re: grundig SV2000 - ein Reparaturbericht

Beitrag von timundstruppi » Sa 14. Jul 2018, 18:10

Schöner Bericht!
BC639 steckt wo?

Die Tester haben eine zu geringe Prüfspannung.
Ich denke, wenn du mal eine Messschaltung aufbaust, wird er irgendwann bei Erhöhung der Spannung durchbrechen...

Gruß TW

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Re: grundig SV2000 - ein Reparaturbericht

Beitrag von mampfi » Sa 14. Jul 2018, 20:12

T404 und T405 als Ersatz für Motorola MPS A05
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Re: grundig SV2000 - ein Reparaturbericht

Beitrag von MaxG » Di 17. Jul 2018, 18:52

Was beim SV2000 immer auffällt, ist das verrostete Blech über dem trafo. Da hätte Grundig was besseres einbauen sollen. Ansonsten ist das Ding eine reife Leistung (hab selber 2 Stück davon). Hat mich sicher durch die 80er gebracht! :geek:
Verstärker: SV2000, V7500 --- Tuner: T7500, 2xST2000, ST1500 --- Tape: SCF6200 , Sony TC-K790ES --- CD: Technics SL-PG-420A --- Box: Canton Forum 300 --- Phones: Sennheiser HD540 Reference --- Walkman: BeatBoy 120

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Re: grundig SV2000 - ein Reparaturbericht

Beitrag von timundstruppi » Mi 18. Jul 2018, 00:48

Bestimmt schön weicher Stahl, aus dem auch die Golf 1 gefertigt wurden... ;)

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Re: grundig SV2000 - ein Reparaturbericht

Beitrag von MaxG » Mi 18. Jul 2018, 14:50

Stahlblech bietet die beste Abschirmung. Hätte mna nur besser lackieren sollen!
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Re: grundig SV2000 - ein Reparaturbericht

Beitrag von timundstruppi » Mi 18. Jul 2018, 15:31

Mumetall ist noch viel besser, aber wesentlich teurer und hier wohl unnötig

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Re: grundig SV2000 - ein Reparaturbericht

Beitrag von Radiowerkstatt » Mi 18. Jul 2018, 20:00

Edit:

#Was beim SV2000 immer auffällt, ist das verrostete Blech über dem trafo. Da hätte Grundig was besseres einbauen sollen.


#Bestimmt schön weicher Stahl, aus dem auch die Golf 1 gefertigt wurden#


SV2000 Trafoabschirmung
Das kritisierte Blech, besteht aus „kornorientiertem und ausgeglühtem
(entmagnetisiertem) Dynamoblech“
Glaubt es oder nicht!

Mike
Zuletzt geändert von Radiowerkstatt am Do 19. Jul 2018, 17:03, insgesamt 7-mal geändert.

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Re: grundig SV2000 - ein Reparaturbericht

Beitrag von timundstruppi » Mi 18. Jul 2018, 20:18

Ja, so was entscheidet dann ob µr=200 oder 2000.
Ich habe nicht bezweifelt, dass das Blech hochwertig ist, nur eben nicht gegen Korrosion ausreichendgeschütz. Das Blech im V5000ist auch nicht immer optimal gegen Korrosion geschützt.
Von haus aus ist das Blech recht korrosionsempfindlich. Ach, ist Werkstoffe der E-Technik schon her.. 1989 :shock:
Gruß TW

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