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Re: Grundig versus Philips

Verfasst: Sa 29. Aug 2026, 10:08
von MGL_IR3
Ich glaube, man sollte die Geschichte Grundig/Philips hier etwas differenzierter betrachten.
„Philips war der innovative Partner und Grundig hatte vor allem finanzielle Probleme“ greift meiner Meinung nach zu kurz. Grundig hatte gerade bei TV und Video eine durchaus beachtliche eigene Entwicklungs-/Patentbasis. Das wird heute gerne vergessen.
Ein schönes Beispiel ist PALplus: Bei den insgesamt 23 Patenten des Projekts gingen laut Grundig selbst 16 auf Grundig zurück. Das war also keineswegs nur eine Philips-Technik, die Grundig anschließend in seine Geräte eingebaut hat.
Auch bei anderen TV-/Video-Technologien (ATTS), Signalverarbeitung, Empfangstechnik und Bedienkonzepten hatte Grundig eigene Entwicklungen und Schutzrechte. Und Magic Fidelity ist ebenfalls ein Grundig-eigenes, geschütztes Konzept .
Natürlich war Philips technologisch ein sehr starker Konzern. Das will ich überhaupt nicht bestreiten. Gerade bei Halbleitern, CD-Technik, Digitaltechnik usw. hatte Philips enorme Kompetenz. Aber die Zusammenarbeit zwischen Grundig und Philips sollte man deshalb nicht als „innovativer Philips + angeschlagener Grundig“ sehen. Beide Seiten brachten Know-how ein.
Interessant wird es gerade beim Thema HiFi.
Die großen Fine-Arts-Geräte der ersten Generation (nicht alle natürlich) waren tatsächlich eine interessante Zusammenarbeit innerhalb des Philips-Konzerns. Der A-9000 war beispielsweise eine Gemeinschaftsentwicklung von Grundig und Marantz. Entsprechende Parallelgeräte gab es als Marantz PM-84 bzw. Philips FA-960. Auch die Tuner-Plattform wurde konzernweit verwendet.
Und genau daran sieht man eigentlich, dass die Sache nicht so einfach war: Grundig war innerhalb dieses Verbundes nicht nur Abnehmer von Technik, sondern auch Entwickler und Produzent.
Gerade die Tuner sind dafür ein gutes Beispiel (DSR). Der Fine Arts T-907 findet sich praktisch baugleich auch als Philips FT-980 und Marantz ST-72 – und diese Geräte wurden bei Grundig gefertigt.
Auch bei den Kassettendecks sollte man genauer hinschauen. Geräte wie CCT-903, CT-905 und CF-Serien waren keine Philips-Rebrands. Grundig hatte hier über viele Jahre eine eigene Entwicklungs- und Fertigungskompetenz. Das ist gerade deshalb interessant, weil man bei der Diskussion über Philips/Grundig sonst schnell den Eindruck bekommt, Grundig hätte nur noch Philips/Marantz-Technik eingekauft.
Der CD-9000 / Röhrenverstärker( A9009) waren z.B. 100% made by Grundig Fürth.
Das eigentliche Problem sehe ich eher in der späteren strategischen Entwicklung.
Grundig war in bestimmten Bereichen der professionellen Elektronik, Messtechnik, CNC-Präzisionstechnik und Automatisierung technisch ausgesprochen weit. Gerade deshalb ist es rückblickend fast paradox, dass man in Teilen der eigenen Unterhaltungselektronikfertigung nicht konsequenter automatisiert hat.
Bei der HiFi-Produktion – beispielsweise in Landau – spielte meines Wissens auch die Sorge eine Rolle, durch stärkere Automatisierung sehr viele Arbeitsplätze abbauen zu müssen. Das ist menschlich und sozialpolitisch nachvollziehbar. Wirtschaftlich war es aber langfristig ein Fehler.
Und das ist für mich der entscheidende Punkt: Grundig konnte durchaus High-Tech entwickeln. Das Problem war nicht, dass die Ingenieure plötzlich keine Innovationen mehr zustande brachten. Das Problem war zunehmend, diese Innovationen wirtschaftlich konkurrenzfähig in großen Stückzahlen zu produzieren.
Man darf auch nicht vergessen, dass Grundig noch bis weit in die 90er hinein wesentliche HiFi-Komponenten selbst entwickelte und fertigte. Und bei den Tunern war Grundig technisch richtig gut – der T-9000/9009 / T907 ist dafür ein schönes Beispiel. Oder die DAB Tuner (Eureka Project).
Später wurde dann allerdings vieles stärker auf Konzernplattformen, Kostenoptimierung und gemeinsame Gerätebasis ausgerichtet. Das ist betriebswirtschaftlich verständlich, aber genau dort ging meiner Meinung nach ein Teil des ursprünglichen „Made by Grundig“ verloren.
Und da würde ich auch die spätere (Plastik) Fine-Arts-Entwicklung einordnen, speziell ab 1994.
Wobei später wieder die neuen mini HiFi Serien (M-100) in Nürnberg entwickelt wurde und in Bayreuth gefertigt wurde (schöne Geräte :-)).
Wenn man sich TV, Video, PALplus, Empfangstechnik, Tuner, Kassettendecks und auch die Fertigungstechnik anschaut, erkennt man noch sehr lange eine ziemlich starke eigene Grundig-Entwicklungsleistung. Obwohl die Entwicklungsteams rel. klein waren. Die Hifi+SVHS Videos im Konzern, wurden bis 1997 kompl. in Nürnberg gebaut.
Dass diese Kompetenz am Ende wirtschaftlich nicht mehr ausreichend genutzt werden konnte, ist eine andere Geschichte.

Re: Grundig versus Philips

Verfasst: Sa 29. Aug 2026, 11:41
von MaxG
Grundig hatte einen DAB-Tuner? Wo? Wie? Name?

Re: Grundig versus Philips

Verfasst: Sa 29. Aug 2026, 12:05
von MGL_IR3
Ja, das war der DAB Tuner DCR 200 DAB bzw. der 100er (Ende/ Mitte der 90er... Pioniere im DAP Segment).... waren 100% in Franken entwickelt und ich glaube in Werk Bayreuth oder Langwasser gebaut ? Grundig hatte dafür (so ab ca.1992?) einen eigenen Testsender am Fernmeldeturm Nürnberg (wurde direkt vom Labor in Fürth betreut und gemacht)..... by the way, am Turm oben am Sender stand auch ein schöner FA 9009 ;-)
Intended use war aber Car Audio. Prototypen Platinen habe ich noch in meiner Bastelkiste :-)

Re: Grundig versus Philips

Verfasst: Sa 29. Aug 2026, 12:36
von RudolfG
Es ist klar, dass Konzern in der Größe von Grundig eine eigene Entwicklungsabteilung hatte.
Meine damalige Entscheidung zum R3000 waqr eindeutig wegen des besseren Radioteils.
Aber warum verschwendet man Resourcen in der Entwicklung um Casssettendecks nachzuentwickeln? Da gab es gute Geräte am Markt, wie z. B. von Nakamichi. In unserer Clique wurden Cassettenrecorder nur dazu benutzt um Musik fürs Auto aufzunehmen.
Für zuhause hatte jeder eine Bandmaschine, zuerst ein Gerät von AKAI, dann später entweder ein REVOX oder SONY. Hier wäre OEM der richtige weg.
Auch beim A9009 bin ich der Meinung, das dass ein aufgewärmter A9000 war. Ich hätte mir an der Stelle mehr Innovation gewünscht: z.B.: eine diskrete Endstufe, voll symmetrisch, wie Erno Borbely sie 1984 veröffentlicht hatte - McIntosh hat das Konzept 20 Jahre lang gebaut.

Re: Grundig versus Philips

Verfasst: Sa 29. Aug 2026, 12:57
von MGL_IR3
"Es ist klar, dass Konzern in der Größe von Grundig eine eigene Entwicklungsabteilung hatte.
Meine damalige Entscheidung zum R3000 waqr eindeutig wegen des besseren Radioteils.
Aber warum verschwendet man Resourcen in der Entwicklung um Casssettendecks nachzuentwickeln? Da gab es gute Geräte am Markt, wie z. B. von Nakamichi. In unserer Clique wurden Cassettenrecorder nur dazu benutzt um Musik fürs Auto aufzunehmen.
Für zuhause hatte jeder eine Bandmaschine, zuerst ein Gerät von AKAI, dann später entweder ein REVOX oder SONY. Hier wäre OEM der richtige weg."

Ganz einfach: Die Ressourcen und Werke waren da…. Das konnte Grundig einfach machen. Und solange die Marge /die Stückzahl noch irgendwie passte, war das gut so. HiFi war sowieso nur ein kleines Segment und wurde durch andere Segmente finanziert. Bei FA ist es auch nicht um einen großen lukrativen Massenmarkt gegangen. Der Marktanteil in Deutschland war mit der „Schwarzen FA“ auf bis zu 10% gestiegen. Marktführer Sony hatte so 12%. Sprich die Geräte wurden gekauft (war ja auch das Mainstream Segment, wie die FA-V3/ Grundig 5200 Midi Anlage z.B.). Mann wollte auch zeigen, das mann es konnte.

"Auch beim A9009 bin ich der Meinung, das dass ein aufgewärmter A9000 war. Ich hätte mir an der Stelle mehr Innovation gewünscht: z.B.: eine diskrete Endstufe, voll symmetrisch, wie Erno Borbely sie 1984 veröffentlicht hatte - McIntosh hat das Konzept 20 Jahre lang gebaut."

Na ja, sehe ich nicht ganz so hart, aber was sollte Mann bei verdammt guten Verstärkern machen, außer den Aufbau und die schon sehr guten Daten verbessern.Das blöde Treiber IC hätte auch ich definitiv nicht verwendet, aber war halt so. Innovation wurde definitiv über den Digitalteil im FA9009 eingeführt….das war neu. Gute diskrete gleichspannungskekoppelte Gegentakt-Endstufen ect. war ja alles schon da. Wegen E.B., Mosfet Bauweise ?!
Der R3000 war ja auch schon ein sehr gutes Gerät.

Leider waren auch die STK´s sehr weit verbreitet....

Re: Grundig versus Philips

Verfasst: Sa 29. Aug 2026, 13:18
von MaxG
A9000: Technik 100% von Marantz, hat mit Grundig 0,0, nichts, nix, nada zu tun, außer das vorne Grundig draufsteht. Ich würde sowas Kundentäuschung nennen.
A9009: Nur die Endstufe ist von Marantz. Vorne hat man versucht, die alte Grundig-Philosopie umzusetzen. Versucht.

Grundig hat auch hier soviele Fehler begangen nach dem 1984er Phillps-Einstieg. Man hätte den V5000 oder den SXV6000 weiterentwickeln und verbessern müssen.

Re: Grundig versus Philips

Verfasst: Sa 29. Aug 2026, 13:30
von MGL_IR3
MaxG hat geschrieben: Sa 29. Aug 2026, 13:18 A9000: Technik 100% von Marantz, hat mit Grundig 0,0, nichts, nix, nada zu tun, außer das vorne Grundig draufsteht. Ich würde sowas Kundentäuschung nennen.

>> Nennt man OEM Produkt >> Das Design ist von Grundig ;-)

A9009: Nur die Endstufe ist von Marantz. Vorne hat man versucht, die alte Grundig-Philosopie umzusetzen. Versucht.

Von Grundig wurde die Endstufe (Schematik) übernommmen....

Grundig hat auch hier soviele Fehler begangen nach dem 1984er Phillps-Einstieg. Man hätte den V5000 oder den SXV6000 weiterentwickeln und verbessern müssen.

Bestimmt... aber wer war noch bereit gute schwere Geräte zu kaufen und vor allem so "Große"..... nicht viele. Und in den 90ern war es sowieso vorbei....Raumklang/ Surround zog massenhaft ein. Ich selbst bin zur Mini Anlagen gegangen MXV100 und sp#ter sogar zur M100

Re: Grundig versus Philips

Verfasst: Sa 29. Aug 2026, 15:21
von RudolfG
Rein vom Design war der SXV6000 vor 40 Jahren einer meiner Wünsche, die ich mir nie leisten konnte/wollte.
Bei V5000/A5000 habe ich gemischte Gefühle, da ich mich einige Zeit mit einem A5000 beschäftigt habe, den einer meiner Freunde vor langem als defekt bei mir eingelagert hatte und nie mehr wieder abgeholt hat- seine Aussage war: "ich habe was Besseres gefunden".

In dem Punkt gebe ich dir recht, dass kaum mehr jemand einen Turm mit gestapelten HIFI-Geräten im Wohnzimmer haben will.
Während der ganzen Corona-Zeit hatten mir zwei WLAN-Lautsprecher von ReVox für die übliche Berieselung mit Internet-Radio ausgereicht.

Im Moment wird mein Vollverstärker (Marantz) nur noch als Endstufe benutzt um das Signal vom Streamer an die Lautsprecher weiterzugeben - der Verstärker kann dafür im Low Board untergebracht werden.